Was bremst die Lust?

 

Die meisten sexuellen Tabus „verdanken“ wir der christlichen Kirche. Religiosität spielt in der heutigen Zeit für viele Menschen zwar – wenn überhaupt -nur noch eine untergeordnete Rolle, aber die in der Kindheit erlernten und anerzogenen Tabus wirken weiter. Da gilt alles als Sünde, was mit sexueller Lust und der Freude am eigenen und anderen Körper zu tun hat, z.B. Nacktheit, Selbstbefriedigung, sexuelle Phantasien. Wird dennoch Lust empfunden, was bei einem gesunden Menschen völlig natürlich und normal ist, stellen sich Schuld- und Schamgefühle ein. Im strengsten Sinne wird Sexualität nur dann geduldet, wenn sie in der Ehe stattfindet und auf die Zeugung von Kindern abzielt. Von Lust ist dabei überhaupt keine Rede.
Ich möchte hier weder die Religion verteufeln noch den Sinn von Moral in Zweifel ziehen, ich möchte Sie nur fragen: „Wem nützt oder schadet es, wenn Sie sich an solche Tabus halten?“ – „Wem nützt oder schadet es, wenn Sie diese Tabus abwerfen?“

 

 

Sexualität gehört zu den menschlichen Grundbedürfnissen wie Essen, Trinken oder Schlaf. Aber während es nicht mit dem Leben vereinbar ist, wenn ein Mensch aufhört zu essen oder zu trinken, kann er sehr wohl ohne Sexualität leben. So gibt es Menschen (Frauen weitaus häufiger als Männer), deren sexuelles Bedürfnis mit der Zeit nachlässt und schließlich ganz einschläft, wenn sie es z.B. aus Mangel an Gelegenheit, nicht aufrecht erhalten ,etwa Single-Frauen, die die Suche nach einem Partner aufgegeben haben. Mit der Lust verhält es sich wie mit einem Muskel. Wird ein Muskel nicht trainiert, verkümmert er mit der Zeit. Wird Lust nicht immer wieder trainiert, kann sie einschlafen.

 

 

Wenn Sie eine gute Köchin werden wollen, lesen Sie Kochbücher, holen sich Rat bei Freundinnen oder besuchen einen Kochkurs. Sie suchen sich Informationen über Lebensmittel, Kochgeschirr und Rezepte. Nur wenn Sie Bescheid wissen, haben Sie die Chance, auch gut zu werden. Und Sie bekommen immer mehr Spaß am Kochen auch besonderer und ausgefallener Speisen.
Genauso verhält es sich mit der Sexualität. Je mehr man Bescheid weiß, umso so mehr Spaß macht sie.

 

 

Wesentliche Voraussetzung für das Erleben lustvoller Sexualität ist, dass beide Partner richtig in Stimmung kommen. Aber hier fangen die Probleme und Missverständnisse meistens schon an, denn Männer und Frauen unterscheiden sich grundsätzlich darin (von Ausnahmen abgesehen), was sie brauchen, um in Stimmung zu kommen.
Ein Beispiel: Der Mann kommt abgespannt von der Arbeit nach Hause. Nach dem Abendessen hat er Lust auf Sex, weil er dadurch so herrlich entspannen kann. Während seine Frau noch den Tisch abräumt, greift er ihr in die Bluse. Sie weist ihn zurück, weil sie jetzt keine Lust hat. Er gibt auf, weil er das ja schon öfter erlebt hat, und zieht sich beleidigt zurück. Er wirft ihr vor, nie Lust zu haben, sie wirft ihm vor, ihr nie genügend Zeit zu lassen, um Lust zu bekommen.(mehr dazu)

 

 

Sexualität ist die intimste Form der Kommunikation zwischen zwei Menschen. Sie ist deshalb besonders anfällig für Störungen. Sie ist ein hochsensibles Messinstrument dafür, wenn etwas in der Partnerschaft nicht stimmt.

 

 

Wenn zwei Menschen sich treffen und eine Beziehung eingehen, bringen sie ihr ganz persönliches sexuelles Profil (Vorstellungen, Wünsche, Phantasien, Vorlieben und Praktiken) mit in die Beziehung. Diese Profile unterscheiden sich in der Regel voneinander und machen dadurch die sexuelle Begegnung interessant und spannungsreich. Man experimentiert gemeinsam, geht auf den anderen ein und entdeckt immer wieder Neues und Unerwartetes am anderen. Mit der Zeit gleichen sich die Partner aneinander an. Vorlieben und Praktiken werden aufgegeben, weil man damit beim anderen auf Ablehnung oder Unverständnis stößt. Man einigt sich schließlich auf den „kleinsten gemeinsamen Nenner“ in Sachen gemeinsamer Sexualität. Sexualität wird dadurch zum routinemäßigen Vorgang mit immer dem gleichen Ablauf. Spannung, Kreativität und Leidenschaft bleiben auf der Strecke und damit auch die Lust.

 

 

Das Thema Sexualität ist in den letzten 50 Jahren immer stärker ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Im Fernsehen, in Frauen- und Männerzeitschriften, in einer unüberschaubaren Menge an Sexratgebern wird freizügig über Orgasmus, Koitushäufigkeit und ungewöhnliche Sexualpraktiken berichtet. Diese Freizügigkeit ist zu begrüßen, denn sie hilft, unsinnige Tabus abzubauen und die Sexualität in all ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen als ganz natürliches menschliches Bedürfnis zu sehen, das man nicht verstecken muss und für das man sich nicht zu schämen braucht. Aber diese Freizügigkeit hat auch ihre Kehrseite. Durch die umfassenden Informationen und Diskussionen werden Maßstäbe gesetzt, was und wie normale Sexualität zu sein hat. Der Vergleich der eigenen gelebten Sexualität mit diesen allgemein propagierten Maßstäben kann zu überhöhten Ansprüchen und enormem Leistungsdruck führen. Ist man noch normal, wenn man nur einmal in der Woche Sex hat, wenn doch der durchschnittliche Deutsche zwei bis dreimal in der Woche Sex hat? Ist man als Frau unzulänglich, wenn man nicht bei jedem Geschlechtsverkehr einen Superorgasmus erlebt? Ist man als Mann ein Versager, wenn man nicht allzeit bereit ist und es vorkommen kann, dass man einmal nicht „seinen Mann steht“?
Leistungsdruck und zu hohes Anspruchsniveau führen bekanntlich zu Stress und Versagensängsten und verhindern Entspannung und Genuss. Der einzig gültige Maßstab für befriedigende Sexualität ist das Empfinden der daran beteiligten Menschen.

 

 

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